Forschen am Nahverkehr der Zukunft

Trapico betreibt von Sommer 2023 an autonome Fahrzeuge auf einem Testfeld in Wiesloch und Walldorf

Wie kann autonomes Fahren weiterentwickelt werden? Dieser Frage geht die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG) über ihr Tochterunternehmen Trapico GmbH vom Jahr 2022 an im Rhein-Neckar-Kreis nach. Ein entsprechendes Projekt wurde vom Land Baden-Württemberg am Dienstag, 14. April 2021, im Rahmen des Wettbewerbs „RegioWIN 2030“ ausgezeichnet und mit Fördermittelzusagen bedacht. Das Projekt trägt den Titel „Reallabor für vernetzte nachhaltige Pendlermobilität“ und will mit innovativen Lösungsansätzen nachhaltige Mobilität und Digitalisierung verknüpfen. Eines der größten Vorhaben innerhalb dieses Projektes ist die Einrichtung eines Testfelds für autonomes Fahren im Umfeld des Bahnhofs Wiesloch-Walldorf. Der Fahrbetrieb der autonomen Fahrzeuge soll im Sommer 2023 beginnen und anderthalb Jahre dauern. Der Träger des Projekts ist der Zweckverband MetropolPark Wiesloch-Walldorf, zu den Kooperationspartnern gehören neben der Trapico unter anderem das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis, SAP, Heidelberger Druckmaschinen AG und der Verkehrsverbund Rhein-Neckar.

Vom Operator zum Tele-Operator

Aufgabe der Trapico im Projektteam ist der Betrieb der autonomen Fahrzeuge – wozu Personalbereitstellung, elektrische Ladung und Teleoperation zählen. „Ziel des Projektes ist es, Erfahrungen zu sammeln und Gesetzgebungsverfahren auf politischer Ebene durch das Aufzeigen von Einsatzmöglichkeiten zu begleiten. Der Betrieb von autonomen Fahrzeugen im ÖPNV bedarf eines verlässlichen Rechtsrahmens, da aktuell diesbezügliche Projekte im öffentlichen Straßenverkehr stets auf Ausnahmegenehmigungen fußen“, sagt Trapico-Geschäftsführer Christopher Delong. Aktuell läuft ein Gesetzgebungsverfahren zum autonomen Fahren auf Bundesebene, durch das ein deutschlandweiter Rechtsrahmen für autonomes Fahren entstehen soll. Die derzeitige Rechtslage macht einen sogenannten Operator, also einen Begleiter der automatisierten Fahrzeuge, notwendig. Dieser Operator könnte jedoch auch ein ÖPNV-Mitarbeiter einer Leitstelle sein, von der aus mehrere autonome Fahrzeuge technisch und betrieblich beaufsichtigt werden. Bei Störungen oder unplanmäßigen Verkehrssituationen könnte dieser Tele-Operator die Steuerung des Fahrzeugs manuell von der Leitstelle aus übernehmen. „Durch die Übernahme der Tele-Operator-Funktion für mehrere Fahrzeuge ließe sich der wirtschaftliche Einsatz autonomer Fahrzeuge erreichen und somit das öffentliche Verkehrsangebot steigern“, sagt Christopher Delong.

Erfahrungen aus Projekt am Rande der Landesgartenschau 2018

Die Trapico kann auf umfangreiches Wissen zurückgreifen, das die SWEG bei einem Projekt am Rande der baden-württembergischen Landesgartenschau 2018 in Lahr gesammelt hat. Damals brachte das Unternehmen den ersten autonom fahrenden Kleinbus im öffentlichen Straßenverkehr in Baden-Württemberg auf die Straße. Anderthalb Monate fuhr das elektrisch angetriebene Fahrzeug mit maximal sechs sitzenden Passagieren auf einem rund ein Kilometer langen Rundkurs außerhalb des Gartenschaugeländes. Im autonomen Modus fuhr das Fahrzeug mit einer maximalen Geschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. An Bord befand sich ein Operator, der jederzeit für die Sicherheit während der Fahrt verantwortlich war.

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